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Gemeiner Samtfußrübling (Flammulina velutipes) s.l.            
Katharina Krieglsteiner, 28.02.18 

Ein typischer Winterpilz ist der Gemeine Samtfußrübling mit seinen frostresistenten, büschelig wachsenden Fruchtkörpern, die vorwiegend auf Stümpfen oder Stämmen von Laubhölzern, wie Weiden, Pappeln, Ulmen oder Eschen  vorkommen. Im Winterhalbjahr (von Oktober bis März) trotzt er der Kälte, und wächst bei Temperaturen zwischen 0 °C und 15 °C. Sobald die Temperaturen in den Minusbereich fallen, stellt er lediglich das Wachstum ein, bis es wieder etwas wärmer wird. Diese Besonderheit gelingt dem Gemeinen Samtfußrübling durch Frostschutz-Proteine (engl.: antifreeze protein, AFP) und Frostschutz-Glycoproteine (engl.: antifreeze glycoprotein, AFGP), die sich an das Wasser in den Zellen andocken und das Wachstum von Eiskristallen verhindern.          

    Büschelig wachsende Gemeine Samtfußrüblinge
in Kirchberg an der Jagst, 21.02.2017

 

Der Namesteil Samtfuß weist schon auf eines der Bestimmungsmerkmale hin: Dieser Pilz hat einen Stiel, der oben gelblich und unten samtfilzig dunkelbraun bis olivschwarz ist (bei jungen Exemplaren ist dies oft noch nicht gut erkennbar). Die 3-8 cm langen Stiele besitzen keinen Ring und sind faserig, knorpelig zäh. Häufig sind sie etwas plattgedrückt und werden im Alter hohl.

 

Flammulina velutipes, Seebachschlucht bei Gschwend 04.02.2017

Die honiggelben bis rotbraunen Hüte der Samtfußrüblinge (mit einem Durcchmesser von bis zu 10 cm) sind dünnfleischig und schmierig auf der Oberseite. Die Lamellenfarbe ist weiß oder blassgelb und das Sporenpulver weiß, wodurch sich dieser Pilz gut von Flämmlingen (Gymnopilus) (mit manchmal ähnlichem Erscheinungsbild, aber rostbraunem Sporenpulver) abgrenzen lässt.

Weitere Infos dazu sind auch in unserem youtube-Video zu finden! 

Allerdings ist mir dieser Pilz vergangenen Montag in einer etwas „unkenntlichen“ Form in die Hände gefallen (siehe Bild).

Enoki Spraitbach 27.02.2018

Hierbei handelt es sich um eine spezielle Wuchsform des Samtfußrüblings, die unter dem Namen Enoki oder Enoki-Take in Asia-Shops und gut sortierten Supermärkten angeboten wird. Wild wächst der Samtfußrübling in Asien oft auf dem Chinesischem Zürgelbaum (Celtis sinensis), der auf Japanisch Enoki heißt.

Laut Wikipedia war der Samtfußrübling einer der ersten Speisepilze, der gezielt in Kultur genommen wurde. In der späten Tang-Dynastie zwischen den Jahren 800 und 900 wurde der Anbau des Enoki erstmals erwähnt. Angeblich verrieb man damals reife Pilze auf frischen Baumstümpfen, um im darauffolgenden Jahr eine reiche Ernte dieses Pilzes zu bekommen.

Heutzutage ist der Enoki-Take in Asien in seiner Zuchtform besonders beliebt. Die Hauptmerkmale sind dichte Büschel mit sehr kleinen Hüten und langen Stielen - dies ermöglicht eine leichte Ernte. Unter Vermeidung von Licht wird der Samtfußrübling in Flaschen angebaut, was zu der weißen Farbe der Fruchtkörper führt. Das starke Wachstum mit langen dünnen Stielen wird durch die Kultivierung in einer CO2-reichen Atmosphäre hervorgerufen.

 

Enoki - Detail Pilzhüte, Spraitbach 27.02.2018

Sowohl die Zuchtpilz-Variante als auch der wilde Flammulina velutipes ist für mich ein hervorragender Speisepilz, der (in Butter angebraten) hervorragend schmeckt und keinen großen „Schnickschnack“ benötigt :-).



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